Einige Bemerkungen zum Jagdgebrauchshundwesen in der Jägerschaft und im Altkreis Burgdorf (von Heinrich Uhde, Obmann für das Jagdgebrauchshundewesen)
Das Jagdgebrauchshundwesen im Altkreis Burgdorf ist nach dem Kriege durch zwei Besonderheiten geprägt: Einmal ist es das Nachsuchenwesen, das im Altkreis Burgdorf im Vergleich zu den Gebieten anderer Jägerschaften besonders gepflegt worden ist, das gilt bis in die jüngste Zeit und in der zweiten Hälfte der Nachkriegsgeschichte, d. h. seit Beginn der 70er Jahre ist besonders großer Wert gelegt worden auf die Ausbildung von Jägern mit ihren Jagdhunden, die Art und Weise wie dies in Abricht- und Führerlehrgängen geschieht ist in gewissem Umfang beispielhaft geworden.
Bei der Betrachtung des Nachsuchenwesens ist schon auf die Zeit vor dem Kriege einzugehen, denn der Hannoversche Schweißhund als der Nachsuchenspezialist erfuhr schon in jener Zeit im Bereich der jetzigen Jägerschaft, d. h. im Altkreis Burgdorf, eine besondere Förderung und auch in der Gegenwart werden wieder vor- und hauptgeprüfte Hannoveraner auf das im Altkreis vorkommende Hochwild geführt. Entwicklungen jeglicher Art sind mit bestimmten Namen verbunden und auch von Persönlichkeiten abhängig, für das Schweißhundwesen in der Zeit vor dem Kriege bis hinein in die 50er Jahre ist der Name Meyer das ,Markenzeichen", der Name des Revierförsters Meyer aus Fuhrberg, der, im Jahre 1897 geboren, heute noch in Fuhrberg lebt.
Auf der 32. Hauptversammlung des „Vereins Hirschmann" (des Vereins zur Reinzucht und Förderung des Hannoverschen Schweißhundes) am 09.06.1929 in Goslar bekam der Forstmeister Gussone den Auftrag, einen Antrag an den Minister auszuarbeiten, daß an Forstschulen und Akademien Schweißhundführerkurse abgehalten oder Studenten zu solchen Kursen an hierzu bereite Revierverwalter entsandt werden. Vor diesem Hintergrund war geplant, eine Schweißhundstation in den Räumen des alten hannoverschen Jägerhofes einzurichten, dieser Plan konnte nicht verwirklicht werden, statt dessen wurde die Ausbildung von Führernachwuchs dem Revierförster Erich Meyer in FuhrbergNVietzenbruch in der Schweißhundstation Fuhrberg übertragen. Neben der fortbestehenden Schweißhundstation in Fuhrberg/Wietzenbruch (Leiter nach wie vor Revierförster Meyer) wurden in Hahnenklee und Eschershausen, d. h. im Harz und im Solling weitere Schweißhundstationen eingerichtet.
Die Schweißhundstation in Fuhrberg überdauerte den Krieg, schon Anfang der 50er Jahre wurden in ihr schon wieder Schweißhundführerkurse abgehalten. 1955 beispielsweise hielt Revierförster Meyer zwei Kurse mit acht Teilnehmern ab.
Ende 1956 werden die Führerlehrgänge wiederum zum Mittelpunkt von Überlegungen gemacht. Um einem passionierten Nachwuchs Gelegenheit zu geben, die gerechte Führung des Hannoverschen Schweißhundes in Theorie und Praxis zu erlernen, sind mit Hilfe von Landesjagdverbänden und Regierungsstellen verschiedener Bundesländer Lehrstationen eingerichtet worden, wo unter bewährten Schweißhundführern die Ausbildung in einheitlicher Form nach der altbewährten hannoverschen Jägerhofmethode in strenger Anlehnung an das jagdliche Brauchtum durchführt wird. Diese Stationen sind hauptsächlich in Hochwildrevieren der Staatsforstverwaltung untergebracht und befinden sich in Niedersachsen in den Forstämtern Kupferhütte/Harz, Knobben/Solling und nach wie vor in Fuhrberg/Heide.
Die zweite Hauptprüfung des Jahres 1956 des Vereins Hirschmann findet vom 06. bis 07.12.1956 in Fuhrberg/Wietzenbruch statt, es stehen die staatlichen Forsten Fuhrberg und die angrenzenden Pachtreviere des Rotwildringes Wietzenbruch zur Verfügung. Prüfungsleiter ist der Forstmeister Kunze aus Fuhrberg, Richter in der Gruppe II sind der berühmte Jagdkynologe Konrad Andreas und Revierförster Meyer aus Fuhrberg. Erich Meyer hat darüber hinaus auch Funktionen im Verein Hirschmann wahrgenommen. Durch Erlaß vom 07.07.1939 hat der Reichsjägermeister die bisherigen Fachschaften für Hannoversche Schweißhunde und Bayerische Gebirgsschweißhunde in einer Fachschaft
(Fachschaft Schweißhunde) zusammengefaßt, die Leitung der Fachschaft ist als Reichsobmann dem Forstmeister Alfred Steinhoff aus Neuhaus/Solling übertragen worden. Einer der neben ihm ernannten fünf Vertrauensleute ist Revierförster Meyer aus Fuhrberg bei Celle. Im Jahr 1951 wird unter dem Vorsitzenden Forstmeister Oskar Steinhoff Revierförster Erich Meyer zum stellvertretenden Kassenwart in den Vorstand des Vereins Hirschmann gewählt.
Etwa Ende der 50er Jahre bis zum Ende der 70er Jahre gab es eine Art uschweißhundloser" Zeitspanne, innerhalb derer Jedoch die Arbeit am langen Riemen auf krankes Schalenwild nicht vernachlässigt wurde. Indessen wurde mit anderen Gebrauchshunden nachgesucht, insbesondere sei hier der spätere Vorsitzende und Ehrenvorsitzende der Jägerschaft Burgdorf Walter Tesch genannt, der mit seinen Vorstehhunden, insbesondere dem vielen Hundeleuten bekannten „Barry" sich seinen Mitjägern in der Not zur Verfügung stellte.
Im November 1970 übersiedelte der damalige Gerichtsassessor Uhde nach Burgdorf. Dieser war in „Hundekreisen" schon nicht mehr ganz unbekannt, Uhde wurde im März 1971 zum Präsidenten des Deutschen Jagdgebrauchshundverbandes gewählt, dieses Amt hatte er bis 1986 inne, seitdem ist er dessen Ehrenpräsident. Uhde übernahm alsbald von dem bekannten „Drahthaarmann" Oberförster Loos das Amt des Obmannes für das Jagdgebrauchshundwesen in der Jägerschaft Burgdorf, das er bis heute innehat. Uhde führte eine Deutsche Jagdterrierhündin, die auch schon ihre Meriten bei der Nachsuchenarbeit erworben hatte. Das sprach sich langsam herum und vermehrt wurde diese Hündin bei Nachsuchen eingesetzt, vornehmlich auf Rehwild, jedoch auch auf Schwarzwild und schon einmal auf Rotwild. Im Jahr 1977 gesellt sich zu der Terrierhündin ein Bayerischer Gebirgsschweißhund, den jedoch im Alter von etwa einem Jahr das Schicksal in Form der Eisenbahn ereilt, im Jahre 1978 wechselt ebenfalls die Jagdterrierhündin in die ewigen Jagdgründe. Im August 1978 hält dann Einzug die Bayerische Gebirgsschweißhündin „Burgl von der Zell", die auf Prüfungen brilliert und mit der Hunderte von Nachsuchen im Altkreis Burgdort absolviert werden. Der als ihr Nachfolger angeschaffte Bayerische Gebirgsschweißhundrüde „Floh von der Wiesach" verendet im ersten Behang stehend am 10.12.1988 bei der Nachsuche auf einen Hirsch. Sein und letztendlich auch „Burgls" Nachfolger wird der im März 1989 geborene Hannoversche Schweißhundrüde „Iwan von der Hirschwiese", der vor- und hauptprüft, seinem „Berufe" im Burgdorfer Raum bis zum 12.01.1998 nachging. An jenem Tage wurde er von Kolshorn aus bei einer Nachsuche auf ein Rotkalb geschnallt. Zur gleichen Zeit erlegte ein "Jäger" im Gebiet des "Großen Freien" im Moor ein Alttier. Als der Hund bei diesem Stück erschien und es "in Besitz" nahm, wurde er, bei strahlendem Sonnenschein und mit Warnhalsung versehen, auf kurze Distanz "hingerichtet". Die Kolshorner Jäger haben am 21.02.1998 zur Erinnerung an diesen Hund und sein Schicksal an der Stelle, von der aus manche Nachsuche begonnen und der Hund begraben wurde, einen Gedenkstein aufgestellt.
Unabhängig davon ist auch die alte Schweißhundtradition in Fuhrberg wieder aufgenommen worden, und zwar durch den Forstamtmann Toppius. Dieser führte seit 1984 seine im Verlauf der Zeit vor- und hauptgeprüfte Hannoversche Schweißhündin „Kati von der Brinkwiese", jetzt ihren Nachfolger, den im vierten Behang stehenden vor- und hauptgeprüften Hannoverschen Schweißhundrüden „Ben vom Friedrichshof'.
Neben diesem ausschließlich auf Schwarz- und Rotwild arbeitenden Hunden gibt es jedoch einige wenige, die sich auch auf die Nachsuchenarbeit spezialisiert haben und auch Rehwild nachsuchen. Zu den ersten unter ihnen gehörten und gehören die mittlerweile verstorbene Züchterin und Führerin von Jagdspanieln Frau Erika Lemmer aus Burgdorf. Sie wurde Ende der 70er Jahre zusammen mit dem Kreishundeobmann auf Herrn Arthur Hoppe aus Burgdorf aufmerksam, der in bemerkenswerter Weise seinen Teckel führte. Die Bemühungen, Herrn Hoppe zu ernsthafter Nachsuchenarbeit zu „überreden" wurde nachhaltig bis in die Gegenwart durch entsprechendes Engagement und entsprechenden Erfolg belohnt. Herr Arthur Hoppe gehört mit seinem hochprämierten Teckel zu den bekannten Nachsuchenführern des Altkreises über nunmehr etwa zwei Jahrzehnte.
Als passionierte Nachsuchenführerin hat sich auch Frau Sylvia Mehmel-Edeler aus Ahlten erwiesen, die zunächst Nachsuchen auf Rehwild mit ihrem Ungarischen Vorstehhund machte, alsdann, auf den Geschmack gekommen, sich spezialisierte und nunmehr mit ihrer auf Prüfungen hochbewerteten Slowakischen Schwarzwildbracke auch im Nachsucheneinsatz auf Rot- und Schwarzwild steht. Seit wenigen Monaten ist ihre "Meute" um einen BGS- Welpen bereichert.
Nicht unerwähnt bleiben kann auch der ehemalige Kreisjägermeister Lothar Teschner aus Burgwedel mit seinem Bayerischen Gebirgsschweißhund. Lothar Teschner führte Zeit seines Lebens Jagdhunde, Kurzhaar, Drahthaar, Pudelpointer, Teckel. Sein Herzenswunsch war jedoch offenbar, einen guten Hund auf der Rotfährte zu führen. So erwarb er den im September 1991 gewölften Bayerischen Gebirgsschweißhundrüden „Kandor vom Altoller" aus Österreich, führte ihn mit Erfolg auf beiden Verbandsschweißprüfungen (über 20 und über 40 Stunden) und ebenso zunehmend erfolgreich in der Praxis. Der Fortzug aus Thönse bedeutet den Abschied: Der Schweißhund geht nun seinem Berufe nach einem Zwischenspiel in einem gesegneten Hochwildrevier Mecklenburg-Vorpommerns in einer Schweißhundstation in Schleswig-Holstein nach Er ist zu einer bekannten „Persönlichkeit" geworden und läßt seinen ehemaligen Chef hin und wieder „grüßen".
Im Gebiet des Rotwildringes Burgdorf-Uetze hatten die genannten Jäger bislang absprachegemäß die Befugnis, in Begleitung eines bewaffneten Mitjägers bei der Nachsuche auf ein Stück Hochwild die Jagdbezirksgrenzen zu überschreiten. Eine derartige Regelung ist für eine ordnungsgemäße Nachsuche auch unabdingbar. Nunmehr hat der Rotwildring Burgdorf-Uetze eine Satzung beschlossen und die Kompetenz, die entsprechend „privilegierten" Nachsucheführer auszuwählen und zu benennen, liegt beim Vorstand des Ringes.
Die etwas ausführlichen Bemerken zur Nachsuche erscheinen begründet aus der entsprechend langen Tradition im Altkreis Burgdorf und auch ihrer besonderen Bedeutung für die Jagd. Nicht weniger Wert wird indessen aus der Sicht der Jägerschaft gelegt auf die Unterrichtung und Fortbildung von Führern anderer Hunde vor dem Hintergrund der Überlegung, daß nur ein gerecht ausgebildeter Hund mit einem kenntnisreichen Führer dem Erfordernis waidgerechter Jagdausübung zum Wohle des Wildes entspricht.
Die Erkenntnis, daß Derartiges am besten im Rahmen von Abrichte- und Führerlehrgängen zu vermitteln ist, hat sich ganz allgemein in Deutschland erst in den letzten drei Jahrzehnten durchgesetzt, letztendlich initiiert von entsprechenden Vorstößen des Jagdgebrauchshundverbandes
Anfang der 70er Jahre gab es im Altkreis Burgdorf Lehrgänge, wie sie heute eigentlich Land auf Land ab und auch im Altkreis Burgdorf üblich sind, nicht. Es gab einen Obmann für das Jagdgebrauchshundwesen, der für allgemeine Fragen des Jagdgebrauchshundwesen zuständig war und zu dessen Aufgaben es insbesondere gehörte, alljährlich eine Jagdeignungsprüfung (heute Brauchbarkeitsprüfung) durchzuführen.
Von dem verdienten Obmann für das Jagdgebrauchshundwesen Oberförster Loos übernahm Heinrich Uhde im Jahr 1971 das Amt des Obmannes für das Jagdgebrauchshundwesen, gleichzeitig übernahm er es, im Rahmen der Jungjägerausbildung die Fächer Jagdrecht und Jagdgebrauchshundwesen zu unterrichten. Letzteres gab ihm die Möglichkeit, sein Ideengut den jungen Jägern des Altkreises Burgdorf verständlich zu machen und sich ihnen als zukünftigen Gesprächspartner für alle „Hundeangelegenheiten" zur Verfügung zu stellen.
Dabei sollte es jedoch nicht sein Bewenden haben. Die Jagdeignungsprüfungen wurden nach wie vor durchgeführt, im November 1972 waren es noch fünf Nennungen, ein Jahr später schon 21, im Jahr 1975 beispielsweise 26. Die Anzahl der gemeldeten Hunde ist bislang schwankend, die Prüfung wird jedoch nach wie vor recht gut „angenommen", glücklicherweise stehen uns dafür geeignete Reviere zur Verfügung, im staatlichen Forstamt Fuhrberg, im Revier Hülptingsen und Burgdorf sowie das Wasser in Immensen. Auch kann die Prüfungsleitung glücklicherweise auf eine Reihe bewährter und hilfsbereiter Richter zurückblicken. Mit einem besonderen Ausrufungszeichen zu versehen ist, daß Horst Riechelmann aus Thönse die Vorbereitung der Prüfung seit einigen Jahren übernommen hat und die Prüfungsleitung selbst weitgehend entlastet. Als Prüfungsleiter ist neben dem Obmann auch schon Frau Mehmel-Edeler tätig gewesen.
Als Kuriosum, aber als behördlich ebenso unabwendbar soll hier bemerkt werden, daß diejenigen, die bei der Prüfung in die Luft und aufs Wasser schießen, eines besonderen Waffenscheins und einer Schießerlaubnis bedurften, denn das „Ballern" bei der Prüfung war keine „Jagdausübung" im Sinne des Gesetzes. Nach der PO des Jahres 1997 ist die Prüfung als Teil der Jagdausübung anzusehen und jeder Führer muß einen gültigen Jagdschein besitzen und selbst schießen.
Besonders erfreulich und in gewisser Beziehung auch als beispielhaft hat sich die Förderung des Jagdgebrauchshundwesens im Rahmen von Abrichte- und Führerlehrgängen entwickelt und erwiesen.
Zunächst wurde der Besuch des schon Anfang der 70er Jahre angebotenen Lehrganges als eine Art Alibi angesehen, um noch einmal dem heimatlichen Herd fernbleiben und mit Freunden einen trinken zu können, indessen setzte sich schon sehr bald die Überzeugung durch, daß das gemeinsame Üben und Vorbereiten auf Prüfung und Praxis nicht nur weitgehend den erwünschten Erfolg brachte, sondern auch wirklich Spaß machte. Sehr bald fanden sich zu den Lehrgängen 20, 30 und auch 40 Teilnehmer ein, was ebenso schnell dazu führte, daß der Lehrgang geteilt wurde, und zwar dergestalt, daß Herr Dieter Dröge es übernahm, mit den älteren Hunden auf eine Prüfung hinzuarbeiten, während die jüngeren Hunde beim Obmann im Rahmen einer „Früherziehung" die Grundbegriffe ihres späteren Berufes erlernten. Dieses System wurde immer mehr perfektioniert, nunmehr und schon seit geraumer Zeit sind im Lehrgang „Früherziehung" nur noch Hunde zu finden, die zum Teil erst echt Wochen und letztendlich kaum älter als sechs bis sieben Monate sind. Hier wird nach den Erkenntnissen der modernen Verhaltensbiologie und den bislang in der Praxis gemachten Erfahrungen versucht, die Führer an eine verhaltensgerechte Ausbildung heranzuführen und am Beispiel der Jungen Hunde immer wieder die Erfahrung machen zu lassen, daß dieser Weg zur Ausbildung eines Hundes der allein richtige ist. Dabei wehseln sich Arbeits- und Spielphasen ab, bei den im Mai beginnenden Lehrgängen sind die Hunde nach einem viertel Jahr etwa so weit, daß sie beginnen können, in der Revierpraxis zu arbeiten, Wild aus dem Wasser zu apportieren und Übernachtfährten zu arbeiten. Es hat schon Hunde gegeben, die im Alter von sechs Monaten im Jahr ihrer Geburt die Herbstzuchtprüfung ablegten und im Frühjahr des darauffolgenden Jahres erst die Verbandsjugendprüfung. Dieser Lehrgang „Früherziehung" ist schon zum Objekt praktischer Demonstration im Rahmen von Seminaren der Landesjägerschaft oder auch von Exkursionen auswärtiger Richterschulungen etc. gewesen. Überdies hat dieser Lehrgang schon häufig die Möglichkeit gehabt, sich anläßlich der „Pferd & Jagd" in Hannover vorzustellen. Auch haben die Führer mit ihren Hunden schon Rollen in Film und Fernsehen gehabt.
Zunächst war es sehr schwierig, für den Früherziehungslehrgang Übungsgelände zu erhalten. Noch einer Vorstandssitzung des Jahres 1977 klagt der Obmann über die großen Schwierigkeiten, geeignete Übungsplätze zu finden. Erst nach mehrmaligem Wechsel habe im Revier Bahisen ein Übungsgelände für die Gruppe mit jungen Hunden gefunden werden können. Die Gruppe mit älteren Hunden konnte mit Herrn Dröge in den Revieren Bennemühlen und Oegenbostel ihre „Heimstatt" finden, bis in die Gegenwart hat Herr Dröge in den Revieren um seinen bisherigen Heimatort Elze-Bennemühlen die Ausbildung der „fortgeschrittenen" Hunde betreiben können, nunmehr ist er aus dem Altkreis Burgdorf fortgezogen, das „Schicksal" jenes Lehrganges ist gegenwärtig ungewiß.
Als Übungsgelände fand der Lehrgang „Früherziehung" für lange Jahre eine „Heimat" auf dem sehr schön gelegenen Übungsplatz des Schäferhundevereins Uetze in Doll- bergen, es kam zu Differenzen im Vorstand jenes Vereins über die Nutzung, der Lehrgang „Früherziehung" mußte wiederum auf Wanderschaft gehen und übt nun in den Monaten Mai bis August auf dem Übungsplatz des Schäferhundvereins Immensen in Burgdorf. Von ganz wesentlicher Bedeutung ist, daß an diesen Übungsabenden die jeweiligen „Lebensabschnittbegleiter" teilnehmen können, desgleichen die Kinder, während der Pausen, in denen die Hunde - das gehört zur Übung - ausgiebig spielen können, haben die Erwachsenen und Kinder Gelegenheit Bratwurst zu essen und Bier zu trinken.
Die gute Atmosphäre bei jenen Lehrgängen führte zunehmend dazu, daß entgegen einem Beschluß der Jägerschaft Burgdorf aus der Mitte der 70er Jahre sich Hundeführer in den Lehrgang „schmuggelten", die keinen Jagdschein hatten oder auch nicht eingetragene Hunde führten. Der Lehrgang drohte zu groß und unübersichtlich zu werden - in einem Jahr waren es über 60 Teilnehmer, die eine Teilung des Lehrganges erforderlich machten.
Aus dieser Entwicklung zog die Jägerschaft die Konsequenz, erstmals im Jahre 1995 einen „Begleithundeführerlehrgang" anzubieten, der im Rahmen eines Lehrganges jedem Nichtjäger mit seinem Hund, ob groß ob klein, ob jung ob alt, die Möglichkeit geben sollte, mit und für seinen Hund zu lernen und seinen vierbeinigen Begleiter besser zu verstehen, die Jägerschaft sah dies Angebot auch als Chance an, sich und ihre Anliegen der Öffentlichkeit verständlich zu machen. Die in diesen Lehr gang gesetzten Erwartungen haben sich mehr als erfüllt, im ersten Jahr waren es etwa 40 Lernpaare, im zweiten Jahr etwa 70 bis 80 und im dritten schon über Hundert. Zwei Drittel der ursprünglich Interessierten bleiben „bei der Stange", was auch als Erfolg zu verzeichnen ist. Dieser Erfolg ist nicht letztendlich der Bereitschaft einiger hundeführer aus den Kreisen der Burgdorfer Jäger zu verdanken, die sich allwöchentlich zur Verfügung stellen, um Rahmen jenes Lehrganges eine Gruppe von etwa 20 Lernpaaren „auszubilden". Besonders verdient gemacht haben sich hier - wie in anderem Zusammenhang auch - Frau Muhle und Frau Mehmel-Edeler sowie die Herren Alraun, Hoppe, Köhne und Riechelmann.
An den Lehrgängen nehmen auch „kleine" Hunde teil, insbesondere Terrier und Teckel, deren Arbeitsgebiet ja auch „unter der Erde" liegt. Um diesen Hunden auch bei der Ausbildung gerecht werden zu können, hat die Jägerschaft aus dem Nachlaß des bekannten Jägers und „Terriermannes" Muhs aus Elze eine Kunstbauanlage erworben, die, mit allen „Schikanen" versehen auf einem Grundstück der Gebrüder Fritz und Walter Engelke in Schillerslage eingebaut ist und nun unter entsprechender Aufsicht den Führern von Teckeln und Terriern die Möglichkeit gibt, Ihre Hunde mit der Arbeit im Dunkeln vertraut zu machen.
Eln Versuch, die Hegeringe mit in die "Hundearbeit" einzubeziehen, scheiterte im Jahr 1996 kläglich. Dem Aufruf, mit schon fertigen Hunden sich einem 'TÜV" im Revier Ahlten (Eheleute Edeler) zu unterziehen, folgten hingegen 1997 erfreulich viele Jäger - es war ein fröhlicher Tag! Es soll versucht werden, ihn zu einer ständigen Einrichtung werden zu lassen.
Das Jagdgebrauchshundwesen im Altkreis Burgdorf wird und wurde im letzten Vierteljahrhundert beeinflußt durch den Umstand, daß der Obmann für das Jagdgebrauchshundwesen ein und derselbe war und Gelegenheit hatte, langfristig seine Ideen zu verwirklichen. Das konnte er nur mit einer Hand voll wirklich begeisterter und selbstloser Mitarbeiter und einem Vorstand, der einerseits selbst fachkundig und andererseits bereit war, dem Obmann möglichst freie Hand zu lassen. Der Jägerschaftvorsitzende und jetzige Ehrenvorsitzende Walter Tesch war ein bekannter Hundeführer, er ist schon erwähnt. Walter Tesch war auch Verbandsrichter und richtete auf vielen Brauchbarkeitsprüfungen mit. Er hatte großes Verständnis für die Vorhaben „seines" Obmannes für das Jagdgebrauchshundwesen und förderte häufig dessen Anliegen. Auch sein Nachfolger, Gerd Pucka, ist ein dem Jagdgebrauchshundwesen nicht fernstehender Jäger, er führt selbst eine Dachsbracke und hat in der Vergangenheit Jagdhunde verschiedenster Art auf Prüfungen und in der Praxis geführt. Auch der schon erwähnte Kreisjägermeister und besondere Vertreter des Jägermeisters für den Altkreis Burgdorf, Lothar Teschner, hat Zeit seines Lebens Jagdhunde der verschiedensten Art geführt, mehrfach auf Brauchbarkeitsprüfungen und auch im Rahmen der Lehrgänge der Jägerschaft, wie er letztendlich auch seine Neigung und sein Können als Schweißhundführer unter Beweis gestellt hat. Eine Idee kann sich nur verwirklichen, wenn sie der Förderung der Verantwortlichen gewiß ist, gegenwärtig ist das Jagdgebrauchshundwesen beim Vorstand der Jägerschaft, auch dem erweiterten, gut aufgehoben.
|