StartseiteDie Jägerschaft BurgdorfHistorieHegering Burgwedel

Der Hegering Burgwedel besteht aus folgenden Jagdrevieren, wobei die Reviergrößen als Circa-Angaben zu verstehen sind:
Revier Engensen 1470 ha, Revier Engensen II 500 ha, Revier Engensen III 500 ha, Revier Engensen IV 500 ha, Revier Fuhrberg 1750 ha, Revier Fuhrberg II 800 ha, Revier Fuhrberg III a 170 ha, Revier Fuhrberg III b 290 ha, Revier Fuhrberg III c 385 ha, Revier Fuhrberg IV 750 ha, Revier Fuhrberg VE.-Allerhop - 408 ha, Revier Großburgwedel 1750 ha, Revier Großburgwedel II 1.000 ha, Revier Kleinburgwedel 1.500 ha, Revier Oldhorst 453 ha, Revier Thönse 1700 ha, Revier Thönse II 650 ha, Revier Wettmar 1800 ha, Revier Wettmar II 620 ha und Revier Wettmar III 1.105 ha.

Derzeitiger Hegeringleiter des Hegeringes Burgwedel ist Walter Heuer aus Burgwedel-Fuhrberg, Nachfolger des langjährigen und verdienten Leiters des Hegeringes, Hermann Belten aus Kleinburgwedel

(Weitere Informationen liegen aus dem Hegering Burgwedel derzeit nicht vor)

Historisches aus dem Hegering Burgwedel

Im November 1993 führte Michael Kentrath, Fuhrberg, mit Herrn Erich Meyer (Jahrgang 1897) nachfolgendes Gespräch:

Herr Meyer berichtete seinerzeit:

„Alles Wild hat zugenommen, vor allem Schwarzwild. Vor dem Krieg gab es wenig bis selten diese Schalenwildart. Auch das Rotwild ist mehr geworden und wird durch den Abschuß reguliert. Wenn ich früher ins Revier wollte, fuhr ich mit dem Motorrad (NSU 500). Sonst wurde alles mit dem Rad erledigt. Auch als Schweißhundführer mußte ich das Rad benutzen. Wenn man woanders zur Nachsuche von der Regierung aus hinbeordert wurde, wurde man mit dem Auto abgeholt. Wenn ich mal ausfiel, wurde jemand aus Brünninghausen gerufen, aber hier in der Gegend, ab 1932, war ich der Schweißhundführer. Der letzte Hirschmann starb einen Monat bevor ich in Pension ging."

Frage: „Hatte man sich betreffs der Schweißhundarbeit so ausgetauscht oder war es völlig klar, wie man da vorgeht?"

Anwort: „Es gibt eine Anleitung in Form eines Buches „Die Führung des Schweißhundes" Es ist an Normen gebunden, z. B. darf kein Rehwild mit dem Schweißhund bejagt werden. Außer dem Schwarz-, Rot- und Damwild darf schon seit Jahrhunderten der Schweißhund zu nichts anderem eingesetzt werden. Die Wiege des Hannoverschen Schweißhundes war Fuhrberg. Die Vorgänger von Meyer hatten alle Schweißhunde. In Fuhrberg war die Station, wo die hannoverschen Könige ihre Schweißhunde bezogen. Gehörten die Hunde alle dem Hof, so erhielten die Förster, die sie führten, eine Entschädigung. Die ist eine ganz alte Tradition, die ich fortgeführt habe und heute von Herrn Toppius fortgeführt wird. Herr Freise war nicht so interessiert am Schweißhundwesen und Herr Toppius hat es zum Glück wieder aufgenommen. Die Methode des Nachsuchens ist heute wie vor 200 Jahren die gleiche. Ernst August war der Schirmherr des ganzen und gab dazu von Puchmüller eine Chronik heraus. Darin sind meine Suchen auch erwähnt, die es Wert sind, zu Papier gebracht zu werden.

Zur Wilddichte: Früher war es ein ganz normaler Wildbestand. Erst nach dem Krieg, als das Waffenverbot kam, vermehrte sich das Wild explosionsartig. 1950/51 bei einer Radtour auf dem Schusterdamm haben wir 65 Stück Rotwild gesehen. Die Engländer kamen zwar und erhielten die Erlaubnis zum Abschuß, aber die waren ja auch nicht alle Tage da. Als wir dann wieder die Waffen bekamen und damit auch die Erlaubnis, Waffen zu führen, mußten wir stark eingreifen. Einmal haben wir 17 Stück Kahlwild in einem Jahr geschossen, um etwa auf einen Normalstand zu kommen. Aber in letzter Zeit hat sich das Wild doch stark vermehrt, besonders das Schwarzwild. Vor dem Krieg war es wenig und danach ein Überstand, ebenfalls erheblich mehr Rotwild. Der Rehwildbestand war ebenfalls stark angestiegen."

Frage: „Wurde vor dem Krieg mehr gejagt oder ist die unterschiedliche Landschaftsgestaltung daran schuld?"

Antwort: „Nein, immer 1/3 des Wildes wurde jedes Jahr erlegt."

Frage: „Jäger klagen heute über hohen Besucherandrang. Wie war das früher?"

Anwort: „Das gab es früher nicht. Menschen traf man äußerst selten im Hirschgehege. Dann war ich sehr verwundert und fragte, was der Mensch den hier zu suchen hätte. In der Blaubeerzeit kamen aus Hannover und Umgebung die Beerenpflücker, Hunderte, sonst war Ruhe."

Frage:
„Nach dem Krieg sollen viele Leute im Wald gearbeitet haben?"

Anwort: „Als die Engländer uns besetzten, kamen große Einschlagskolonnen von englischen Soldaten und unseren deutschen Kriegsgefangenen, die dann hier anfingen, die Wälder abzuholzen. Vor allem die Althölzer, wie am Hirschgehege, herrliche alte Kiefernaltholzbestände, wurden zu Kahlschlägen umgewandelt. In der Lindhorst war es das gleiche. Das Hülsufer war fast kahlgeschlagen und dann, als die Engländer abgezogen waren und das Holz nach England verschifft hatten, hatten wir die Aufgabe, wieder aufzuforsten. Es waren unheimlich große Flächen. Alte Fuhrberger Frauen, die Lust hatten mitzugeben, arbeiteten bei der Aufforstung. Zeitweise hatte ich 60 Frauen und auch 20/30 Notstandsarbeiter. Auf diese Weise haben wir innerhalb von 10 Jahren alles wieder aufgeforstet."

Frage: „In der jagdarmen Zeit, als die Engländer hier waren und es wenig zu essen gab, wurde da auch gewildert?"

Antwort: „Gewildert wurde kaum, einige wenige Wilddiebe hatten wir. Ein Wilddieb kam aus Elze, Ein Erz-Wilddieb „Stille Munkers" hieß er und ich hatte ihn laufen lassen müssen, da er mich bedrohte und ich keine Waffe hatte. Eines Tages saß ich mit einem Freund, Dr. Thielecke, auf dem Hochsitz und dann kam er mit dem Fahrrad vorbei und hatte sein Gewehr mit einem Sack umwickelt. Ich bin vom Hochsitz nicht heruntergegangen, sonst hätte er mir was erzählt. Er wurde später verhaftet, und zwar hat der den Adjutanten von Heinrich Kopf (Ministerpräs., war viel hier auf Jagd) verletzt. Sein Adjutant (so sagten wir) wollte auf den Hochsitz und der „Stille Munkers" hatte bereits auf dem Hochsitz gesessen und hat dem Adjutanten durchden Oberschenkel geschossen. Dann wurde der „Stille Munkers" aber in Wietze (ich mußte auch hin) verhaftet. Es wurden 12 Mann aufgestellt und ich mußte erst die Nummer sagen und der Angeschossene mußte dieses auch bestätigen. Waffenbesitz war zu der Zeit mit Todesstrafe belegt. Von den Engländern wurde er zum Tode verurteilt, später begnadigt und ins Zuchthaus überwiesen. Wo er dann abgeblieben ist, weiß ich nicht mehr. Vielleicht haben andere auch noch gewildert, aber der Munkers' war der Erzwilddieb."

Frage: „Hat es vor dem Krieg auch viel Wilddiebereien gegeben?"

Antwort: „Es war mal eine Zeit, gleich nach dem 1. Weltkrieg nach der Revolution, da nahm die Wilddieberei zu. Die entlassenen Soldaten hatten größtenteils ihre Waffen mitgenommen und da hat es in Fuhrberg sehr viel Wilddieberei gegeben, so daß eines Tages eine große Razzia durchgeführt wurde. Es wurden ca. 20 Fuhrberger Bürger nach Hannover gefahren und dort vor Gericht gestellt. Es waren auch Bauern dabei. Na ja, damals hatten sie Waffen und es war alles knapp usw., da wurde halt stark gewildert. Nach dieser Verhaftung von 20 Personen ließ es schlagartig nach. Es wurden auch einige bestraft wegen Wilderei; sie mußten ins Gefängnis. Das hatte so geschockt, daß es dann abebbte und zum Schluß ganz aufhörte. Der eine oder andere mag noch mal losgegangen sein, das ist möglich. Im 3. Reich herrschte ja ein strenges Regiment; wenn da einer geschnappt wurde, dem ging es nicht sehr gut, also hatte der Angst. Der Wohlstand wurde dann ja größer, so daß sie es nicht mehr nötig hatten, Fleisch zu holen und das normalisierte sich dann."

Frage:
„Sauen bekommt man fast nur noch bei Mond und das Wild tritt spät aus. Ist das früher anders gewesen?"

Antwort: „Es war tagsüber in ruhigen Einständen zu sehen. In der Hirschbrunft schrien die Hirsche buchstäblich hinter dem Haus. Man mußte die Fenster schließen, weil sie auf den Weiden standen und sehr laut waren. Man konnte sie vom Fenster aus beobachten."

Frage: „Wie war das mit Niederwild?"

Antwort: „Niederwild war schon immer sehr schlecht, wenig Hasen, aber besser als heute. Heute ist es ja hundsmiserabel; Rebhühner nicht viel und Fasane fast gar nicht."

Frage: „Haben sie dann auch im Forstbereich größere Gesell-schaftsjagden durchgeführt?"

Anwort: „Oh ja, sogenannte Drückjagden."

Frage:
„Heute ist ja mehr im Gespräch, wir wollen lieber eine Ansitzdrückjagd oder Intervalljagden machen."

Antwort: „Bei der Drückjagd wurden nur 1 oder 2 Jagen genommen und das Wild kam hochflüchtig. Bei den Ansitzdrückjagden kommt das Wild ja langsam, so daß man sichere Schüsse anbringen kann. Das war früher anders."

Frage:
„Zu den Jagden wurden dann aus dem Dorf auch Jäger genommen?"

Antwort: „Ja, meistenteils Forstbeamte und einige wenige Gäste zu den Drückjagden, wie heute. Fuhrberg war ja Großjagdrevier der Könige von Hannover und früher der Herzöge von Gelle. Insbesondere das Hirschgehege war Hofjagdrevier. Das sogenannte Gehege im Hirschgehege umschließt etliche Jagden mit einem großen Wall, der mit Eichen bepflanzt war. Dieser Wall wurde von mir rundherum begehbar gehalten. Dort sah man immer Wild. Mein Nachfolger hatte an der Pflege dieses Weges leider wenig Interesse und ließ den Weg so ein wenig verkommen. Herr Toppius hat auch nicht so große Ambitionen, denn der Weg würde von den vielen Spaziergängern sehr angenommen werden. Dieses Gehege war angelegt für die sogenannte große Hofjagd. Wenn sie stattfand, mußten die Bauern der umliegenden Dörfer im Zuge der Hand- und Spanndienste tagelang vorher schon von weit her das Wild konzentrisch auf dieses Gehege hin zudrükken. Nachts wurden Feuer angezündet, damit das Wild nicht ausbrechen konnte. War es eingeschlossen im Gehege, dann wurden die Lappen gezogen, und zwar eingelappt mit Strippen mit bunten Fahnen. War es eingelappt, fand die Jagd statt. Es waren Stände auf dem Wall aufgebaut, wo die Gäste dann saßen. Wo der Gast saß, wurde links und rechts aufgenommen. Jäger mit der Meute gingen in das Gehege, drückten das Wild heraus und dieses mußte nun immer an den Gästen vorbei, wo die Lappen aufgenommen waren. So konnte der Schütze dann auf kurze Entfernung dann die Strecke machen."

Frage: „Wissen sie, ob aus dieser Zeit im Forstamt noch Streckenberichte vorliegen'?"

Antwort: „Vielleicht ja, die Strecke war immer sehr ergiebig. Die Jagd wurde nur einmal im Jahr gemacht, danach war Ruhe, keine Einzeljagd. Die Stände kann man heute sehen. Da, wo z. B. die Königseiche steht, ist ein wunderschöner Stand auf dem Wall. Der Schütze konnte dort nur 50 m links und 50 m rechts schießen, dann machte der Hegewall einen kleinen Knick. So konnte er auf diese kurze Entfernung besser treffen.

Frage: „Im Hülsufer ist ja auch noch so ein Grabenzug. Hat das auch etwas damit zu tun? Wo auch Eichen gepflanzt wurden?"

Antwort: „Nein, das sind die sogenannten Bienenstellen, die für die Imker vorbehalten waren. Strecke gelegt wurde abends am Stern. Verblasen und Festmale gab es in den Schlössern von Hannover und Gelle."

Frage: „Wie lange wurde in dieser Form gejagt?"

Antwort: „Mit der Revolution '66 hörte das auf. Dann übernahm hier das Forstamt jagdlich Prinz Friedrich Karl von Preußen, der hatte sich Fuhrberg vorbehalten zur Jagd. '66 waren ja die hannoverschen Könige weg. In der Lindhorst entstand das Jagdhaus. Prinz Friedrich Karl liebte mehr die Einzeljagd."


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