Die Landwirtschaft stellt im südlichen Land-/Altkreis des Regierungsbezirks Lüneburg einen der wichtigsten Wirtschaftszweige dar. Ihre große Bedeutung für die Allgemeinheit und die im ständigen Kampf mit der unberechenbaren Natur stehende Arbeit der bäuerlichen Familie wird mit zunehmender Industrialisierung immer mehr verkannt. Lage, Klima, Bodengüte und -gestaltung sind ausschlaggebende Faktoren und sollen einer näheren Betrachtung unterzogen werden.
Aufgrund seiner geographischen Lage wird der Altkreis Burgdorf und damit auch seine Landwirtschaft weitgehend von der Landeshauptstadt Hannover beeinflusst, die er - teilweise im Zusammenhang mit Gebieten des Land- /Altkreises Hannover - mit seiner südlichen Grenze von Nordwesten nach Südosten umschließt. Hieraus ergeben sich Auswirkungen auf die Landwirtschaft, ihre Wirtschaftsformen und die in ihr tätigen Menschen.
Die eigenartige Form des Altkreisgebietes bedingte bis zum Ende der 40er Jahre - dem Zeitpunkt der aufkommenden Motorisierung -, dass der Weg vom Nordwesten zur Altkreisstadt auf dem Schienenwege über die Großstadt Hannover führte. Durch den Kraftfahrzeugverkehr und durch Einrichtung von Omnibuslinien sind in der Folgezeit diese Verkehrsschwierigkeiten weitgehend beseitigt worden. Die klimatischen Verhältnisse sind im großen und ganzen im langjährigen Jahresmittel ziemlich gleich. Die durchschnittliche Niederschlagsmenge im Jahr beläuft sich auf annähernd 670 Millimeter. Wenn auch die Monate Juli und August die regenreichsten sind, so ist die Niederschlagsverteilung im allgemeinen für die Landwirtschaft nicht ungünstig. Doch gibt es ab und an Jahre mit Dürrezeiten im Mai und Juni und Regenperioden im Juli und August, die die Ernteergebnisse nachteilig beeinflussen. Die mittlere Lufttemperatur des Altkreises beträgt etwa 8 bis 9 Grad Celsius und lässt die ausgleichende Wirkung der Meeresnähe spüren.
Die niedrigsten Bodenpunkte herrschen in der Wedemark, d. h. in den Dörfern des alten Amtes Bissendorf vor. Hier überwiegen durchlässige Sandböden, die sich in diesen Dörfern bis in das Allerurstromtal erstrecken. In den Niederungen, besonders im Wietzetal und dessen Zubringerbächen sind ausgedehnte Bruchlandschaften vorhanden, in denen das Grünland überwiegt und die von Erlen-, Birken- und Eichengruppen durchzogen werden. Die landwirtschaftlichen Betriebe weisen ein durchschnittliches Acker-Grünlandverhältnis von etwa 60 zu 40 auf. Der Bodengüte entsprechend ist als Hauptgetreidefrucht der Roggen zu Hause, aber auch der Hafer ist auf den wasserhaltenden humosen Böden eine sichere Frucht. Nach dem 2. Weltkrieg hat sich auch der Anbau von Gerste zunehmend ausgedehnt. In der Fruchtfolge und zur Erhaltung der Fruchtbarkeit der Böden ist der Kartoffelanbau nicht zu entbehren. Ebenso hat auch der Zuckerrübenanbau nach und nach Eingang in zahlreiche Betriebe gefunden. Den natürlichen Voraussetzungen folgend, ist die Viehhaltung bedeutend.
Zur Altkreismitte hin - umfassend die früheren Ämter Burgwedel und Burgdorf - ist die Bodenqualität sehr unterschiedlich. Teilweise ähneln die Dörfer ihrem Aufbau denen der Wedemark als weitmaschige Haufendörfer, wie zum Beispiel Fuhrberg, Thönse, Wettmar und Engensen. Teils ist die Landschaft durchsetzt mit schweren und zähen Ton- und Lehmböden, wie im Raume von Isernhagen, Lohne und Teilen der Gemarkungen Neuwarmbüchen, Altwarmbüchen und Großhorst. In diesem Raum prägen zwei bedeutende Moore die Landschaft und das Klima, das Altwarmbüchener und Oldhorster Moor. Diese Moore sind besitzmäßig in kleine Parzellen aufgesplittert. Der Grund und Boden steht im Eigentum von Bauern, deren Höfe teilweise in weiter entfernt gelegenen Ortschaften liegen. So gehören allein Grundbesitzer von über 30 Ortschaften zum Altwarmbüchener Moor. Diese Aufteilung des Moores hat früher der Sicherung der Brennstoffversorgung der landwirtschaftlichen Betriebe gedient. Von den um die Moore gelegenen Dörfern aus haben tatkräftige Bauern große Flächen kultiviert und auf ihnen ertragreiches Grünland geschaffen.
Im Raum Burgdorf, Lehrte und weiter nach Südosten bis an die Altkreisgrenze von Peine herrschen wieder sandige und lehmige Böden vor, die aber durchlässig und kiesig sind und sich früh erwärmen. Deshalb hat hier der Frühkartoffel- und Industriegemüseanbau einen festen Platz bekommen. Durch den starken Anbau dieser Früchte sind die Böden besonders um Burgdorf Windverwehungen und Erosionen ausgesetzt. Durch die planmäßige Anlage von Windschutzhecken konnte diesem Übel Einhalt geboten werden.
Die Autobahn Berlin-Ruhrgebiet und die parallel dazu verlaufende Eisenbahnlinie Hannover-Berlin trennen praktisch die leichten von den schweren Böden des Süd- Altkreises, den 13 Dörfern des sogenannten „Großen Freie«. Hier überwiegt schwerer Lehm und teils auch strenger Ton. In einigen Orten, wie Ahlten, Höver und Bilm, steht unter einer flachen Ackerkrume sehr tief Kalkmergel an, der in Höver eine bedeutende Zementindustrie entstehen ließ.
Der schwere Boden hat hier besondere Wirtschaftsarten und -formen geprägt. Als Getreide stehen Weizen und Gerste im Vordergrund, während im übrigen die Zuckerrübe die Fruchtfolge des Ackers bestimmt. Stellenweise sind die Böden so schwer und zäh, dass sie für eine Beackerung zu risikovoll sind und daher mehr oder weniger notgedrungen als Grünland genutzt werden müssen. Hier herrscht dann die Rindviehhaltung wieder vor, während in den milderen Lagen eine große Anzahl von Betrieben aus arbeitswirtschaftlichen Gründen zur viehlosen Wirtschaft übergegangen ist. Diese Art der Betriebsführung hat auch schon auf verschiedene Betriebe im mittleren Altkreisgebiet übergegriffen und scheint - bedingt durch die zunehmende Verteuerung der Arbeitswirtschaft - sich noch weiter auszudehnen. Interessant ist sicher für den Leser, etwas über die Größenordnung der Betriebe und die Kulturarten im Anbauverhältnis zu erfahren. Nach der Statistik betrug die Wirtschaftsfläche des Altkreises im Jahre 1965 83.845 Hektar.
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