StartseiteJagdhundewesenJagdhunde, was sind das eigentlich für Hunde?

von Michael Knuppertz

Was macht eigentlich einen Jagdhund aus? Zunächst einmal ist es die Rasse. Typische Jagdhunderassen sind zum Beispiel Deutsch Kurzhaar, Deutsch Drahthaar, Kleiner Münsterländer, Labrador Retriever oder Jack Russell Terrier. Aber auch Rassen wie Golden Retriever oder English Cocker-Spaniel gehören zu den Jagdhunden. Jagdhund ist aber eher eine Bezeichnung für den Einsatzzweck dieser Hunde. Züchterisch wurden die verschiedenen Jagdhunderassen für spezielle Aufgaben hin gezüchtet. Im übrigen gilt das natürlich auch für Rassen mit anderen Aufgaben, wie beispielsweise den Hütehunden.

Der Einsatzzweck für Jagdhunde ist recht vielfältig. Man unterscheidet dabei die Arbeiten vor dem Schuss und nach dem Schuss. Bei allen Arbeiten geht es darum, fehlende Fähigkeiten des Jägers zu ersetzen. So ist sicher jedem klar, dass kein Mensch in der Lage ist, im Laufschritt größere Flächen abzulaufen und mittels seines Geruchssinnes dabei Wild zu finden. Dies ist beispielsweise eine Arbeit, die der Jagdhund für den Jäger erledigt. Ist eine Ente geschossen worden, wird sicher kein Jäger ins Wasser steigen und die Ente suchen wollen, er wird es in den meisten Fällen auch nicht können. Auch hier kommt wieder der Jagdhund zum Einsatz, der durch seinen überragenden Geruchssinn auch versteckt im Schilf liegende Enten findet und der Jägerin oder dem Jäger bringt. Diese beiden Beispiele haben den Einsatz vor dem Schuss, nämlich die Suche und nach dem Schuss, nämlich das Apportieren verdeutlicht.





Vor dem Schuss: Suchen, Buschieren und Stöbern,

Bei der Suche arbeitet der Hund in der Regel mit Sichtkontakt zum Jäger in nicht sehr weiter Entfernung zu ihm. Der Hund sucht dabei eine zugewiesene Fläche systematisch und planmäßig ab. Eine weitere Arbeit vor dem Schuss ist das Buschieren. Beim Buschieren sucht der Hund vor dem Jäger im Abstand von rund 30 Metern, der sogenannten Flintenschussentfernung. Diese Art des Jagens mit dem Hund wird im Wald praktiziert. Der Hund soll dabei ebenso wie bei der Suche planmäßig vorgehen und sich leicht, ohne viele Kommandos lenken lassen. Aufstehendes Wild soll er nicht verfolgen.

Ebenfalls im Wald wird der Jagdhund zum Stöbern eingesetzt. Die Aufgabe des Jagdhundes ist es hier, ein Stück Wald selbstständig nach Wild zu durchsuchen. Gefundenes Wild soll laut, d. h. bellend, aus dem Waldstück dem Jäger zugetrieben werden. Der gut eingearbeitete Jagdhund verlässt dabei nicht das ihm zugewiesene Stück, sondern stöbert selbstständig weiter, wenn er Wild hochgemacht hat. Der Laut des Hundes ist wichtig, damit die anstehenden Jäger wissen, wo sich der Hund und das von ihm gefundene Wild befinden.





Nach dem Schuss: Apportieren und Schweißarbeit

Zu den Arbeiten nach dem Schuss gehört neben dem bereits vorgestellten Apportieren von Wasserwild auch dass Suchen und Apportieren von Federwild oder kleinem Wild wie Hase oder Kaninchen. Der Jagdhund wird immer dann zum sogenannten „Verlorensuchen“ und „Bringen“ eingesetzt, wenn das geschossene Wild nicht mehr gesehen wird oder in vom Jäger unerreichbarem Gelände liegt. Eine weiterer bedeutender Einsatzbereich des Jagdhundes ist die sogenannte Schweißarbeit. Diese Aufgabe des Jagdhundes heißt nicht nur deswegen Schweißarbeit, weil der Hundeführer nach getaner Arbeit meist schweißgebadet ist, sondern weil es sich hier um die Verfolgung der mit Schweiß - so nennt der Jäger das Blut von Wildtieren - versehenen Spur verletzen Wildes handelt. Häufig werden Jagdhunde nach Verkehrsunfällen mit Wild eingesetzt, um das verletze Wild zu finden und von seinem Leiden zu erlösen.





Weitere Jagdarten: Baujagd und Brackieren

Dies sind nur einige der Einsatzfelder von Jagdhunden. Daneben wird durch kleinere Jagdhundrassen wie Teckel oder Terrier die Baujagd auf den Fuchs praktiziert. Der Jagdhund wird dazu in den Fuchsbau geschickt und soll den Fuchs dazu veranlassen, den Bau zu verlassen. Man nennt dies, den Fuchs „sprengen“. Eine frührer häufige Jagdart, das Brackieren, bei dem der Jagdhund Hasen oder Füchse dem Jäger über große Flächen zutreibt, wird hierzulande so gut wie nicht mehr ausgeübt.





Beispiele einzelner Jagdhunderassen

Die meisten Jagdarten lassen sich mit verschiedenen Jagdhunderassen ausüben. Durch die Zucht sind jedoch Jagdhunderassen entstanden, die für bestimmte Aufgaben besonders geeignet sind. So sind die Vorstehhunde zwar bis auf die Baujagd, zu der sie wegen ihrer Größe nicht geeignet sind, zwar Allrounder, haben aber dennoch ihren speziellen Einsatzzweck. Schon aus dem Namen dieser Rassen erkennt man, dass die Spezialität dieser Hunde das Vorstehen ist. Wenn ein Vorstehhund bei der Suche auf Wild stößt, verharrt er in spezieller Weise und zeigt damit dem Jäger an, dass er Wild gefunden hat. Wenn das Wild sich fortbewegt zieht der Vorstehhund nach. Die Vorstehhaltung wird so lange beibehalten, bis der Jäger herangekommen ist, das Wild hochgemacht und geschossen hat. Der Hund darf auf keinen Fall das auffliegende oder flüchtende Wild verfolgen. Häufige Vorstehhunderassen sind beispielsweise der Deutsch Drahthaar, Deutsch Kurzhaar, Weimaraner, Deutsch Langhaar, Kleiner Münsterländer, Großer Münsterländer, Magyar Viszla, Gordon Setter oder Pointer. Letztgenannte Jagdhunderasse ist als Vorstehhund ein Spezialist auf diesem Gebiet.

Für die Arbeit am Wasser, das heißt besonders das Apportieren von Wasserwild sind verschiedene Retrieverrassen wie Labrador Retriever, Golden Retriever oder Flat coated Retriever gezüchtet worden. Diese Hunde können aber auch für die anderen Jagdarten eingesetzt werden.

Kleinere Jagdhunderassen wie zum Beispiel Deutsche Jagdterrier, Jack Russel Terrier oder Teckel (im Volksmund auch Dackel genannt) werden meist zum Stöbern, zur Nachsuche (Schweißarbeit) oder zur Baujagd verwendet.

Spezialisten auf ihrem Gebiet sind die Schweißhunde. Zu diesen zählen der Hannoversche Schweißhund der Bayerische Gebirgsschweißhund. Diese beiden Jagdhunderassen werden so gut wie ausschließlich zur Nachsuche eingesetzt. Ihr Geruchssinn ist durch lange Zuchtauslese besonders hervorragend ausgeprägt. Dazu kommt die diesen Rassen eigene Ruhe und Konzentration bei der Arbeit, die in dieser ausgeprägten Form bei andern Jagdhunderassen nicht vorhanden ist.





Wie wird der Hund ein ausgebildeter Jagdhund?

Die natürlichen Anlagen, die Jagdhunde aufgrund ihrer Rasse mitbringen, müssen um für den Jäger nutzbar zu sein gefördert und ausgebildet werden. Die Ausbildung eines Jagdhundes beginnt bereits in seiner Kindheit im Alter von acht Wochen, nachdem er an seinen künftigen Besitzer abgegeben wird. Der Hund muss während der Ausbildung alles kennenlernen, was er für seinen späteren „Beruf“ braucht. Die Verständigung zwischen Hund und Hundeführerin bzw. Hundeführer muss aufgebaut werden. Durch verschiedene Prüfungen werden zuerst die Anlagen (Verbandsjugendprüfung, Herbstzuchtprüfung, beide überwiegend für Vorstehhunderassen genutzt) und später die Leistungen (Verbandsgebrauchshundprüfung, Verbandsschweißprüfung) des Jagdhundes festgestellt. Für den jagdlichen Einsatz ist nach den gesetzlichen Bestimmungen mindestens eine Brauchbarkeitsprüfung des Hundes erforderlich.

Die Jägerschaft Burgdorf e.V. bietet entsprechende Lehrgänge für Jäger mit Jagdhunden an, um die Hunde auf den jagdlichen Einsatz vorzubereiten. Die Lehrgänge finden jedes Jahr in der Zeit von Mai bis Oktober statt. Für Jagdhundewelpen oder junge Jagdhunde wird ein Früherziehungskurs angeboten. Jagdhunde ab etwa dem ersten Lebensjahr werden in entsprechenden Lehrgängen auf die Prüfungen im Herbst vorbereitet. In den Lehrgängen geht es vor allem darum, den Hundeführern das notwendige Wissen und verschiedene individuelle Hinweise für die Ausbildung ihres Jagdhundes zu vermitteln. Die Ausbildung findet überwiegend in immer wieder anderen Revieren statt, so dass die Hunde verschiedenste Umweltbedingungen kennen lernen.

Auch die Jagdhundeprüfungen können innerhalb der Jägerschaft Burgdorf abgelegt werden. Besonders für die Teilnehmer der Jagdhundelehrgänge der Jägerschaft Burgdorf werden seit einigen Jahren die Verbandsjugendprüfung (VJP) im Frühjahr, die Herbstzuchtprüfung (HZP) und Verbandsprüfung nach dem Schuss (VPS) im Herbst jeden Jahres angeboten. Schon seit vielen Jahren wird ebenfalls im Herbst eine Brauchbarkeitsprüfung für den Nachweis der jagdlichen Brauchbarkeit veranstaltet.

In diesem Jahr haben über 20 junge Jagdhunde ihre ersten Ausbildungsschritte im Früherziehungslehrgang gemacht. Ebenso viele Jagdhunde wurden in drei Lehrgängen, die im Bereich Wedemark und Burgdorf stattfanden, auf die Prüfungen im Herbst vorbereitet.

Dieser Artikel hat einen kleine Einblick in die Aufgaben von Jagdhunden gegeben. Es wurden verschiedene Rassen und deren Spezialitäten kurz erläutert. Die Ausbildung und Prüfung der Jaghunde wurde angerissen. Das Angebot der Jägerschaft Burgdorf wurde kurz skizziert. Nachdem nun klar ist was einen Jagdhund ausmacht, muss natürlich auch noch gesagt werden, dass ein Jagdhund natürlich auch ein Familienhund ist. Er liegt im Körbchen, bekommt gelegentlich Leckerchen, man geht mit ihm „Gassi“ und er frisst ganz normales Hundefutter.


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