StartseiteJagdhundewesenÜber Jagd- und andere Hunde

Ein Wolf ist ein Wolf und bleibt ein Wolf; ein Hund ist ein Wolf und bleibt ein Wolf, ob er nun ein Kilo wiegt oder einen Zentner, ob er nackt oder behaart ist, ob er nur auf dem Sofa liegt und Kuchen frißt oder zur Jagd geht und seinen Unterhalt verdienen muß.
Stimmt das eigentlich? Es stimmt, mehr oder weniger jedenfalls, mindestens dort, wo es um seine Verhaltensweisen, seine Verhaltensbiologie geht.
Tatsächlich war die Herkunft des Hundes, sein Ursprung, lange Zeit umstritten. Erst in jüngerer Zeit hat sich eine herrschende Meinung herausgebildet. Es gab die wildesten Theorien über die Herkunft des Hundes und auch nach dem zweiten Weltkrieg fand die Diskussion noch kein Ende. Noch Konrad Lorenz, der Begründer der Ethologie als eigener Disziplin, ging von aureusblütigen und lupusblütigen Hunden aus. Danach sollten die ihrer menschlichen Umwelt gegenüber im allgemeinen liebenswürdigerweise eingestellten Hunde vom Schakal (canis aureus) abstammen, während die anderen nur einem Herrn ergebenen Hunde ihren Ursprung im Wolf (canis lupus) hätten.

Nach den heutigen wissenschaftlichen Erkenntnissen ist aus verschiedenen Gründen davon auszugehen, dass alle Haushunde vom Wolf abstammen. Bedeutungsvoll in diesem Zusammenhang ist es, dass die Wölfe individuell und geographisch stark variieren, es ist auszugehen von einer untereinander unabhängigen Domestikation des Wolfes. Wahrscheinlich sind in vorgeschichtlicher Zeit von Menschen Wolfswelpen aufgezogen worden und mit der beginnenden Domestikation hat vermutlich eine unbewußte Selektion stattgefunden. Nachdem der Hund eine Symbiose mit dem Menschen eingegangen war, wurde die natürliche Auslese weitgehend ausgeschaltet, wie später auch die spezifische Nutzung des Hundes und bestimmte Neigungen des Menschen zu der letztendlich heute so großen Zahl unterschiedlicher Hunde geführt hat. Den Vorgang der Domestikation hat man sich wahrscheinlich so vorzustellen, dass zufällig gefundene Wolfswelpen von Menschen, nach Zimen von Frauen, aufgezogen wurden.
Ursprünglich mag mit dieser Aufzucht noch gar keine bestimmte Zielvorstellung verbunden gewesen sein, erst im Laufe der Zeit dürften sich bestimmte Domestikationsziele ergeben haben, etwa in Mittel- und Nordeuropa neben anderem die Eignung des Hundes zum Jagdgehilfen des Menschen. Woanders wurden die Hunde als Fleischtiere domestiziert und gegessen oder er wurde wegen seiner Wachsamkeit zum Hüter von Haus und Hof eingesetzt.So wie die Entwicklung des Hundes in einer gewissen geschichtlichen Dämmerung liegt, ist auch die weitere Entwicklung nicht von historischer Tageshelle umgeben.

Hunderassen

Schon früh versuchte man unter den verschiedenen Hunderassen Ordnung zu schaffen und ging dabei von bestimmten Vorstellungen aus, die sich insbesondere an den Eigenschaften und an der Verwendung einer jeden Rasse ausrichteten. Aus der Römerzeit beispielsweise ist eine Aufstellung bekannt, die die damaligen Hunde aufzählt: Wachhunde, Hütehunde und Jagdhunde, wobei man bei den letzteren wieder nach solchen unterschied, die eine Spur verfolgen und solchen, die die Beute verfolgen und schließlich nach solchen, die die Beute auch angreifen. Andere Ordnungen orientierten sich am jagdlichen Einsatz oder an Beschaffenheit und Besonderheiten des Schädels oder auch nach dem Kopfprofil und der Charakteristik der Läufe.
Auch heute sind die einzelnen Hunderassen einer ganz bestimmten Ordnung unterworfen, wobei es um eine wissenschaftliche Anordnung der Rassen geht und es für jede Rasse eine offizielle Beschreibung der typischen Rassemerkmale gibt. Nach dem Reglement der internationalen Kynologenvereinigung (FCI=Féderation Cynologique Internationale) sind die gegenwärtig weit über 300 Rassen in bestimmten Gruppen unterteilt, diese wiederum in Sektionen und Ursprungsländer.
Davon unabhängig und dieser Ordnung nicht folgend werden im deutschen Jagdgebrauchshundwesen – historisch überliefert – die Jagdhunde nach Aufgabengebieten unterschieden, und zwar unterscheidet man Vorstehhunde, Stöberhunde, Schweißhunde, Erdhunde, jagende Hunde und Apportierhunde. Innerhalb dieser Gruppen werden die Jagdhunde wieder unterschieden nach Ursprungsländern und Haararten. Es gibt sehr bekannte Hunde, man denke nur beispielsweise an Spaniel, Setter, Foxterrier oder Teckel oder auch noch den einen oder anderen, der aus Fernsehserien geläufig ist und auch wieder andere, die selbst mancher Jäger sein Leben lang nicht von Angesicht zu Angesicht erlebt.

Nicht jeder Hund, der ein Reh fangen oder ein Kaninchen tragen kann, ist ein Jagdhund. Vielmehr muß durch entsprechende Züchtung gewährleistet sein, dass ein bestimmtes genetisches Potential den Hund auch grundsätzlich befähigt, seinem Beruf als Jagdhund nachzugehen. So sind in Deutschland nur die Hunde als Jagdhund anerkannt“, deren zuchtbuchführender Verein Mitglied in der Spitzen- und Dachorganisation für das gesamte Jagdgebrauchshundwesen Deutschlands ist, das ist seit 1899 der Deutsche Jagdgebrauchshundverband (JGHV). Neben diesem Spitzenverband gibt es einen weiteren Verband, der „zuständig“ ist für alle anderen „hundlichen Berufssparten“, für das Zucht- und Ausstellungswesen, das ist der Verband für das Deutsche Hundewesen (VDH), der Deutschland auch bei der schon erwähnten FCI vertritt.

Wo liegen denn nun die Aufgaben eines Jagdhundes?

Ein Jagdhund wird überall dort eingesetzt, er wird von einem Menschen, einem Jäger, überall dann gebraucht, wenn die menschlichen körperlichen Kräfte und seine Sinne nicht mehr ausreichen, den Erfordernissen der Jagd gerecht zu werden. Das gilt zunächst einmal für das Suchen und Finden des Wildes, ehe man überhaupt das Wild beschießt, ohne einen Hund ist es fast aussichtslos, beispielsweise Rebhühner oder Fasanen erfolgreich bejagen zu wollen. Hasen und Kaninchen müssen aus einer Deckung herausgestöbert werden, das Schwarzwild (die Wildschweine) muss durch scharfe Hunde veranlasst werden, die Dickungen im Walde zu verlassen und bei der Fuchsjagd kann der Jäger kaum in einen Bau hineinkriechen, auch dazu benötigt er einen Hund. Von viel größerer jagdethischer Bedeutung ist jedoch die Arbeit eines Hundes nach dem Schuss, wenn ein Stück Wild unglücklicherweise nicht so getroffen worden ist, wie man es sich als Jäger immer wünscht oder auch ein verendetes Stück Wild ist in eine Deckung gefallen und für den Menschen nicht auffindbar, schließlich ist auch eine tödlich getroffene und ins tiefe Schilfwasser gefallene Ente für einen Menschen kaum erreichbar. Ein Jagdhund „sieht“ mit seiner Nase die Spur, das Geläuf, die Fährte eines kranken Stück Wildes und ist in der Lage, ein krankes Stück Wild zu finden und es, wenn es die Größe erlaubt, zu apportieren. Bei größeren Tieren, seien sie nun angeschossen oder angefahren, führt der Hund an einer langen Leine, dem sog. Schweißriemen, den Jäger zum verendeten Stück Wild oder hilft ihm, letztendlich auch eines noch lebenden kranken Stück Wildes habhaft zu werden.
So wie auch bei menschlichen Berufen kein Meister vom Himmel fällt, sondern eine bestimmte Lehrzeit zu einer Gesellenprüfung führt und später zu einer Meisterprüfung, müssen auch die Jagdhunde ausgebildet werden und sie machen in etwa auch Gesellen- und Meisterprüfungen.
Die „berufliche Qualifikation“ der Jagdhunde unterscheidet man nach ihrem Einsatzgebiet, entweder über oder unter der Erde, im Felde, im Walde oder im / am Wasser. Auch hier gibt es „Mädchen für alles“, d. h. Hunde, die sowohl bei der Jagd auf Niederwild wie auch auf Hochwild eingesetzt werden können, die im Felde suchen, vorstehen und apportieren, die im Wasser nach einer Ente stöbern und die kranke Ente auch auf der Schwimmspur finden und die im Walde buschieren, stöbern und Fuchs, Reh, Wildschwein und Hirsch zur Strecke bringen.

So wie sich in den verschiedensten Berufen Spezialisten herausbilden, gibt es auch bei der Jagdgebrauchshundarbeit Spezialisten, von denen einer beispielsweise der Hannoversche Schweißhund ist. Dieser Hund wird seit etwa Zeiten Karls des Großen, d. h. seit weit mehr als 1.000 Jahren etwa nach den gleichen Maximen gezüchtet und geführt. Seine Aufgabe ist es heute ausschließlich krankes Hochwild, d. h. insbesondere Wildschweine und Hirsche, jedoch auch wo sie vorkommen, Damwild, Muffel oder Sika etwa zur Strecke zu bringen. Dass diese Hunde, die nicht suchen, stöbern, buschieren oder apportieren mit ihrem krassen Spezialistentum anderen Hunden bei der Nachsuche überlegensind, ist eine Selbstverständlichkeit. Diese Hunde, es gibt nur sehr, sehr wenige von ihnen, werden auch nur von Jägern geführt. Andere Jagdhunde wiederum leben auch in einer Vielzahl in Haushalten, die nichts mit Jägerei zu tun haben. Man denke etwa an die schon erwähnten Teckel, Spaniel, Setter usw.. Daß diese letzteren Hunde nicht von heute auf morgen als „beruflich qualifiziert“ gelten können, erscheint nachvollziehbar, wenn sie auch mit ihrer jagdlichen Passion ihren Chefs Kummer, Ärger und Verdruß bereiten.

Das Jagdgebrauchshundewesen ist ein nicht wegzudenkender, in das allgemeine Jagdwesen integrierter Bestandteil, die Arbeit mit dem Hunde, insbesondere nach dem Schuss, gehört zur „Waidgerechtigkeit“, von der der Gesetzgeber im Bundesjagdgesetz spricht im Niedersächsischen Landesjagdgesetz ist im einzelnen aufgeführt, wo brauchbare Hunde bei der Jagd eingesetzt und mitgeführt werden müssen, es fordert auch, dass in den Revieren brauchbare Hunde zur Verfügung stehen müssen. Es ist auch umschrieben, was „brauchbar“ im Sinne des Gesetzes ist; brauchbar ist nur ein Hund, der generell oder als Spezialhund mit seinen Leistungen einem bestimmten „Berufsbild“ entspricht und seine Qualifikation auch auf näher umschriebenen und bezeich-neten Prüfungen nachgewiesen hat.

Am Beispiel eines Jagdhundes soll das einmal kurz demonstriert werden: Der Deutsche Jagdterrier ist ein bei den Jägern allgemein bekannter, im übrigen nicht so sehr geläufiger Hund, weil er nicht ganz einfach zu führen und vielleicht auch nicht den ästhetischen Vorstellungen der großen Masse Mensch entspricht, was für die Rasse Jagdterrier ein Glücksfall ist. Aus dem Namen „Terrier“ ergibt sich das ursprüngliche Aufgabengebiet des Hundes, nämlich „unter der Erde“ (lateinisch terra) zu jagen. Mittlerweile hat sich aus diesem kleinen Spezialisten ein kleiner Vollgebrauchshund entwickelt, der mit Ausnahme der Feldarbeit und des Vorstehens grundsätzlich all das macht, was auch ein großer Vorstehhund, beispielsweise ein Deutsch Drahthaar, ein Deutsch Kurzhaar, ein Deutsch Langhaar oder Münsterländer zu leisten imstande ist.

Im Walde stöbert und buschiert der Deutsche Jagdterrier, er apportiert wie die großen Vorstehhunde, wobei er allerdings schon seine Last mit einem großen Hasen oder einem Fuchs hat, er sucht am Schweißriemen Schalenwild nach, er buschiert und stöbert, wobei es geradezu eine seiner Domänen ist, Schwarzwildrotten zu sprengen und die Sauen vor die Jäger zu treiben. Im Wasser arbeitet er nicht schlechter als die großen Vorstehhunde und auch im Felde ist er jedenfalls nach dem Schuss sehr gut einsetzbar. Wenn er nun nicht in Rüben oder Kartoffeln suchen und vorstehen kann, so arbeitet er jedoch unter der Erde an Fuchs und Dachs und ist dem Jäger unersetzlicher Helfer bei der Bejagung des Raubwildes, nicht zuletzt auch aus Gründen der Prophylaxe gegen Tollwut und Fuchsbandwurm.
Entsprechend diesen Leistungen gibt es nun auch Prüfungsordnungen, die beim jungen Hund feststellen, ob er über die entsprechenden Anlagen verfügt, später einmal seinen naturgegebenen Beruf ordnungsgemäß ausüben zu können und die später dem „fertigen“ Hund attestieren, dass er möglicherweise zu einem Meister geworden ist. Ist hier vielleicht deutlich geworden, wie aus einem kleinen Spezialisten ein kleiner Generalist geworden ist, so sind manche Spezialisten aus guten Gründen Spezialisten geblieben, beispielsweise wie der schon erwähnte Hannoversche Schweißhund.

Es ist schon angedeutet, daß die Vertreter mancher Rassen auch in „Privathaushalten“ gehalten werden, wobei dies insbesondere für die Rassen zutrifft, die ästhetisch besonders ansprechend sind oder deren zuchtbuchführender Verein eben auch viele Hunde an Nichtjäger verkauft. Hier werden die Grenzen zwischen einem vierläufigen „Berufsjäger“ und einem Begleithund schwimmend. Und noch etwas anderes haben die Jagdhunde der heutigen Zeit mit den Begleithunden zunehmend gemeinsam: Sie sind nicht mehr nur Berufsjäger und Kumpel des jagenden Hausherrn, sondern sie sind zunehmend auch Spielgenosse der Kinder oder Begleiter der Dame des Hauses, wenn der jagende Chef manchmal Tage oder Wochen nicht zu Hause ist. Manche Jagdhunde und insbesondere die „berufslosen“ Hunde haben hier eine ganz besondere Stellung und Aufgabe, die häufig nicht gesehen und fast nie berücksichtigt wird. Auf dem kynologischen Weltkongress 1973 in Dortmund äußerte sich der schwedische Professor Hansen zu der Mission, die die Hunde in unserer Gesellschaft zu erfüllen haben. Hansen weist darauf hin, dass lange vor der Geburt der Zivilisation vor etwa 10.000 Jahren Hund und Mensch sich einander in gegenseitiger Freundschaft gefunden haben. Seitdem haben der Urmensch und sein Jagdgefährte viele Ableger gefunden – den Jäger und seinen Jagdhund – den Polizisten und seinen Schäfer – den Blinden und seinen Führhund. Aber vor allem der ganz gewöhnliche Hund – den Besitzer, der in seinem Schützling eine Gesellschaft, eine Stütze, einen Wächter und einen Freund gefunden hat. „Wir sehen“, so führt Hansen aus, „in allen diesen Fällen die Erfüllung einer biologischen Tradition, die in sich selbst eine generelle positive Bedeutung mentalhygienischer Natur für die Volksgesundheit besitzt. Für den Großstadtmenschen im allgemeinen kann das Gesellschaftstier, insbesondere der Hund, außerdem ein biologisches Sicherheitsventil darstellen, einen Kontakt mit der Natur, von der er sich immer mehr entfernt. Neben dieser allgemeinen, mentalhygienischen Rolle hat der Hund eine mehr spezielle Bedeutung für Personen mit Kontaktschwierigkeiten und Depressionen, einsamen Menschen und ältere, für welche der Hund immer mehr zu einem Geborgenheitsfaktor in einer Zeit wird, in welcher die Tendenzen zu Gewalttaten zunehmen.“ Hansen verschweigt auch nicht die negative Bedeutung der Hunde für die Volksgesundheit und verweist auf die Rolle des Hundes als verursachenden Faktor bei Verkehrsunfällen und auch als Reservoir für virusbedingte, bakterielle und parasitäre Zoonosen. Insbesondere verschweigt Hansen auch nicht, dass die Angst vor Hunden eine mentalhygienische Minusvariante darstellt.

Diese Bemerkungen des Jahres 1973 haben in der Gegenwart an Aktualität nichts verloren, im Gegenteil! Die Angriffe von Hunden auf Mensch mit ihren zum Teil furchtbaren Folgen haben jedoch zu einer Reaktion des Staates und auch der Öffentlichkeit geführt, die den zugrunde liegenden Sachverhalten in ihrer verallgemeinernden Form nicht gerecht werden. Nicht nur, dass viele gut meinende Hundebesitzer in Ecken gestellt werden, in die sie nicht gehören, hat die Reaktion des Staates bei den Menschen, die generell zu Hunden eine gewisse Distanz oder auch schon Angst haben, zu einer Hysterie geführt, die viele Besitzer eines mehr als mittelgroßen Hundes als unverantwortlich und gefährlich abstempeln. Es sind zwischen den Hundeliebhabern und den Menschen, die Hunde eben nicht so gerne mögen, Gräben aufgerissen worden, Brücken darüber zu schlagen, fällt offensichtlich schwer. In einer Gesprächsrunde, einer Anhörung oder einem Diskussionsabend – wie man es immer nennen will – im Oktober 2000 in Burgdorf ist der Versuch gemacht worden, füreinander Verständnis zu erwecken, der Versuch scheint mir gescheitert. Es sind Statements ausgetauscht worden, die Bekanntes wiederholten und den Unkundigen nicht klüger gemacht haben. Es war eine Alibiveranstaltung, ein wirkliches Gespräch hat auch nicht nur andeutungsweise stattgefunden.

Die Jäger sehen all diese Probleme, sie sehen sich bisweilen auch ungerechtfertigt angegriffen von Hundebesitzern, die meinen, wegen schießwütiger Jäger befänden sich ihre Hunde anhaltend in latenter Lebensgefahr, wenn sie sich in der freien Natur bewegen. Das war Veranlassung für den Jagdgebrauchshundverband (JGHV) in einem Merkblatt für Verständnis zu werben. Dabei hat es die Jägerschaft Burgdorf jedoch nicht bewenden lassen. Seit Anfang der 70er Jahre werden Lehrgänge für Jagdhunde und Führer (Abrichte- und Führerlehrgänge) abgehalten, für ganz junge Hunde im Rahmen der Früherziehung und für ältere mit dem Ziel, eine Prüfung zu bestehen. Die gute Atmosphäre führte zunehmend dazu, daß entgegen einem Beschluß der Jägerschaft Burgdorf aus der Mitte der 1970er Jahre sich Hundeführer in den Lehrgang „schmuggelten“, die keinen Jagdschein hatten oder auch nicht eingetragene Hunde führten. Die Lehrgänge drohten zu groß und zu unübersichtlich zu werden, es mußten schon Lehrgänge geteilt werden. Aus dieser Entwicklung zog die Jägerschaft die Konsequenz, erstmals im Jahre 1995 einen „Begleithundeführerlehrgang“ anzubieten, der mit oder ohne „Stammbaum“, jedem Nichtjäger mit seinem Hund, ob groß ob klein, ob jung ob alt, die Möglichkeit geben sollte, mit und für seinen Hund zu lernen und seinen vierbeinigen Begleiter besser zu verstehen. Die Jägerschaft sah dieses Angebot auch als Chance an, sich und ihr Anliegen der Öffentlichkeit verständlich zu machen.

Der Begleithundeführerlehrgang für Nichtjagdscheininhaber

Die Lehrgänge werden jährlich in der Zeit von Mai bis August abgehalten. Dem Lehrgang liegt das Konzept zugrunde, Wissen über die verhaltensbiologisch richtige Art, einen Hund zu führen, zu vermitteln. Dieses Ziel wird versucht zu erreichen durch theoretische Belehrung und praktische Unterweisung. An etwa 12 Übungsabenden, denen eine theoretische Einführung vorausgeht, werden Grundbegriffe des Gehorsams vermittelt und „trainiert“. An den Abenden wechseln Arbeits- und Spielphasen ab, die insgesamt als Ausbildung zu sehen sind. Es wird versucht, die Verständigung zwischen Hund und Führer zu fördern und auf Sozialverträglichkeit der Hunde zu anderen Hunden und Menschen hinzuwirken. Die Ausbildung findet in Gruppen statt, die nach dem Alter der Hunde zusammengestellt sind. Die Ausbilder sind erfahrene Hundeführer, teilweise Richter des Jagdgebrauchshundverbandes, der Lehrgangsleiter ist darüber hinaus Fachbuchautor und jagdkynologischer Sachverständiger.

Die in diesen Lehrgang gesetzten Erwartungen haben sich mehr als erfüllt. Im ersten Jahr waren es etwa 40 Lernpaare, im zweiten Jahre etwa 70 – 80 und im dritten schon über 100. Bei der Führung von Hunden wird vom Gesetzgeber „Sachkunde“ erwartet, die nach dem Besuch des Lehrganges der Jägerschaft Burgdorf als gegeben anerkannt wird. Die Jägerschaft hat im letzten Jahr erstmals entsprechende Bestätigungen ausgegeben, sie sind von den Behörden anerkannt. Überdies haben die Ausbilder während eines Vierteljahres Gelegenheit, Hund und Herr, insbesondere den ersteren in vielen verschiedenen Lebenssituationen zu beobachten und vermögen sich so ein Urteil zu bilden über die Sozialverträglichkeit eines Hundes gegenüber Menschen und anderen Hunden. Ein positives Ergebnis wird ebenfalls attestiert. Schließlich wird erwogen, den Begleithundeführerlehrgang auch mit einer Prüfung abzuschließen, deren Bestehen jedenfalls bestätigt, dass das Ziel einer praxisorientierten Ausbildung für einen Begleithund erreicht ist.

Heinrich Uhde, Burgdorf
(Der Burgdorfer Jäger 2001)

Der „Deutsch Langhaar”, - ein deutscher Vorstehhund



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